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Nachdem im Herbst 2015 die Stadtverwaltung schon begonnen hatte, einzelne Einbahnstraßen in Gegenrichtung für Radfahrer freizugeben, wurde Ende Januar das trockene und warme Wetter genutzt, zügig weiter auszuschildern und zu markieren. Nun ergeben sich plötzlich völlig neue Wegebeziehungen.

Bautzens Innenstadt mit mittelalterlichem Kern ist geprägt von engen Straßen. Straßen, die zu schmal sind, um Autos darauf parken und in beiden Richtungen fahren zu lassen. Leider galt diese Einschränkung auch fast überall für Radfahrer. Und so waren viele direkte Wegebeziehungen in der Stadt auch für den Radverkehr versperrt. Nur vier Straßen waren bis zum Frühjahr 2015 für Radfahrer auch in Gegenrichtung geöffnet. Die Unzufriedenheit nicht zuletzt über diese Situation hatte im Jahr 2013 auch mit zur Gründung der Bautzener ADFC-Ortsgruppe geführt. Immer wieder wurde von ihr dann diese Situation thematisiert und auf Verbesserung gedrungen.


Viele der Einbahnstraßen liegen in der Innenstadt, andere behindern besonders direkte Wegbeziehungen zwischen dem sogenannten "Villenviertel" und der Innenstadt, weil sie auf verschiedenen Abschnitten der gleichen Straße in entgegengesetzter Richtung ausgewiesen sind.

Nach der im Mai 2013 von der Stadtverwaltung unter Hinweisen des ADFC organisierten „Befahrung" verschiedener Schwerpunktstellen im Radverkehrsnetz wurde der Ortsgruppe vom Ordnungsamt eine Übersicht aller Einbahnstraßen in Bautzen zur Verfügung gestellt, um eine Kategorisierung und Priorisierung für die Öffnung vorzunehmen (Einordnung in: „wichtige/günstige/wünschenswerte Verbindung“ bzw. „Alternative vorhanden“).
Dies wurde von der Ortsgruppe zügig bearbeitet und dem Ordnungsamt übergeben. Leider kam es nicht zu der von uns erhofften schnellen Bearbeitung und Öffnung von Einbahnstraßen.

2014 wurde durch das Ingenieurbüro SVU in Dresden das neue Radverkehrskonzept für Bautzen erstellt. Von den im Zielnetz des Konzeptes geprüften 20 Einbahnstraßenabschnitten wurde darin lediglich bei einer die Freigabemöglichkeit verneint. Das Konzept wurde im November 2014 vom Stadtrat beschlossen.

Im Frühjahr 2015 wurden überraschend und ohne Ankündigung oder begleitende Presseninformationen in der Innenstadt zwei Einbahnstraßenabschnitte freigegeben.

Ende August 2015 kam dann jedoch das Unerwartete: Vom Ordnungsamt der Stadt wurden Polizei und ADFC um eine Stellungnahme zu einem vom Ordnungsamt erarbeiteten „Regelfall“ für die Einbahnstraßen gebeten. Der ADFC regte einige Verbesserung in Details an, die vom Ordnungsamt alle in die endgültige Variante übernommen wurden. Kurze Schutzstreifen am Ende und am Anfang mit Fahrradpiktogrammen und Richtungspfeilen signalisieren zusätzlich zur Ausschilderung die Freigabe für Radfahrer in Gegenrichtung. Erste Straßen wurden noch vor dem Winter entsprechend markiert und ausgeschildert.

Der Stadtrat beschloss im November 2015, zusätzliche finanzielle Mittel für die Umsetzung dieser Lösung im Innenstadtgebiet zur Verfügung zu stellen. Weitere 14 Einbahnstraßen waren geprüft und sind für die Öffnung vorgesehen. Von der Stadtverwaltung wurde dies mit einer umfangreichen Information in der Presse begleitet, damit sich alle Verkehrsteilnehmer auf die verändernde Situation vorbereiten können. Ende Januar wurden alle geprüften Einbahnstraßen in der Innenstadt mit der entsprechenden Beschilderung versehen und freigegeben. Wenige Tage später wurde die günstige Witterung genutzt, um auch die Markierungen auf den Straßen anbringen zu lassen.

Im Jahr 2016 sollen die restlichen Einbahnstraßen mit Tempo-30-Einschränkung auf eine mögliche Öffnung geprüft werden.

Nachdem es lange Zeit auf den Straßen der Stadt nach Stagnation aussah, geht es nun plötzlich rasch voran. Bautzens Innenstadt wird sich im Jahr 2016 also deutlich radfahrerfreundlich präsentieren. Damit ist ein wichtiges Ziel der Arbeit der ADFC-Ortsgruppe erreicht.

Bedenken, dass nun die Radfahrer gefährlich entgegen der Einbahnstraße unterwegs sind und „über den Haufen“ gefahren werden könnten sieht der ADFC nicht. Die allgemeinen Grundregeln der Straßenverkehrsordnung gelten für alle Verkehrsteilnehmer, und so sollten sich Autofahrer und Radfahrer gemäß § 1 STVO „so verhalten, dass kein Anderer geschädigt, gefährdet oder mehr, als nach den Umständen vermeidbar, behindert oder belästigt wird“.